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Platz #5 - Weich oder hart? - Die Matratze und das Bett

Im Interview mit Prof. Dr. Guthoff (54) - Schlafforscher und Facharzt für Neurologie und Schlafstörungen - er leitete mehrere Langzeitstudien über das Schlafverhalten von Menschen und erlangte weitreichende Erkenntnisse in diesem Themengebiet.

„Herr Guthoff, immer wieder kommen Leute auf uns zu und beklagen sich, dass sie direkt nach dem Erwachen mit Schmerzen in den Tag starten. Wie wir mittlerweile wissen, liegt das zumeist nicht an der verwendeten Weckmethode sondern an einem vielleicht alten, billigen, aber sicherlich falschen Bett. Die Auswahl zwischen verschiedensten Matratzen-, Gestell- und Bettdeckenarten ist heutzutage riesig und von einem Laien kaum durchschaubar. Helfen Sie uns, in diesem Bereich Licht ins Dunkle zu bringen und unseren Lesern, die richtige Schlafgelegenheit zusammenzustellen.”

Schmerzen beim Schlafen müssen nicht sein!

„Fangen wir vorne an. Wie groß sollte ein Bett sein?”

„Betrachten wir zunächst die Tatsache, dass ein Mensch etwa ein Drittel seines Lebens im Bett verbringt. Unserer Studien haben gezeigt, dass diese Zeit für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit, sowohl körperlich als auch seelisch, sehr wichtig ist. Und in dieser Zeit bewegen wir uns und zwar ziemlich viel.

Ich empfehle grundsätzlich jedem, sich im Zweifelsfall für ein Bett mit einer möglichst großen Liegefläche, sowohl in der Länge als auch in der Breite zu entscheiden. Unsere Testpersonen bemerkten meist gar nicht, dass im Falle eines zu kleinen Bettes, bei dem die Zehenspitzen oder die Haare ein Bettende berührten, sie ziemlich schnell in eine zusammengekauerte Schlafstellung übergehen. Diese wurde erst am nächsten Morgen in Form von Muskel- und Rückenschmerzen deutlich.

Auch heute noch sind Betten mit Maßen wie 140x210cm oder 140x220cm ziemlich selten. Wenn Sie sich für ein 200cm langes Bettgestell entscheiden sollten und sie um die 1,80m groß sind, achten Sie darauf, dass am Fußende kein Brett angebracht ist, welches Sie beim Ausstrecken Ihrer Füße behindern könnte. Senioren sollten ebenfalls auf eine nicht zu geringe Matratzenhöhe achten, die das Aufstehen erschwert.”

„Harte Matratzen sind gesund für den Rücken, oder?”

„Das ist allerdings ein Irrglaube, der sich bis heute gehalten hat. Noch oft höre ich von Menschen, die sich gegen eine weiche und bequeme Matratze entschieden haben, weil sie glauben, dass eine härtere gesünder für den Rücken wäre. Dem ist nicht so. Oft sind die Auslöser für diesen Glauben frühere weiche Matratzensysteme, die alt und durchgelegen sind und deshalb Rückenschmerzen verursachen! Nahezu jeder Orthopäde wird Ihnen heute empfehlen, sich eine Matratze zu kaufen, die punktelastisch und weich ist, das heißt, dort wo Sie sich hinlegen, passt sich die Matratze Ihrem Körper an.

Ihre Matratze muss allerdings auch mit dem verwendeten Lattenrost harmonieren. In Folge dessen, darf dieser natürlich auch nicht zu hart sein und die Elastizität der Matratze entgegenwirken. Ich rate Ihnen, sich nochmal vor Augen zu führen, dass Sie ein Drittel Ihres Lebens auf Ihrem Bett verbringen und sich in einem Fachgeschäft beraten zu lassen. Geschulte Mitarbeiter können Ihnen verschiedenste Technologien zeigen und Sie möglicherweise sogar mehrere Tage daheim probeliegen lassen. Nutzen Sie diese Möglichkeit!”

„Können Sie uns die verschiedenen Matratzenarten noch kurz erklären?”

Federkernmatratzen haben einen Stahlfederkern. Sie geben Feuchtigkeit, die über die Nacht eindringt sehr gut wieder ab und behalten auch über Jahre hinweg ihre Form. Die teuren Modelle (Taschenfederkern) haben eine gute Punktelastizität und besitzen meist mehrere Liegezonen. Sie eignen sich nicht für verstellbare Lattenroste.

Die Kaltschaummatratze verfügt über eine hohe Elastizität, gute Haltbarkeit und je nach Modell über verschiedene Liegezonen. Durch die gute Wärmeisolation sind Kaltschaummatratzen für Personen, die von einer Federkernmatratze mit sehr guter Durchlüftung wechseln und leicht schwitzen, meist ungeeignet. Doch durch technische Entwicklungen werden auch sie immer luftdurchlässiger.

Latex- und Schaumstoffmatratzen werden heute immer seltener verkauft, sind technologisch jedoch mittlerweile wieder mit den Kaltschaummatratzen vergleichbar.”

„Für welche Matratzenart sollte ich mich nun entscheiden?”

„Um es auf den Punkt zu bringen: Allein auf Grund der Technik kann man und auch ich Ihnen keine Kaufempfehlung geben. Die Technologien, die heute bei der Matratzenherstellung verwendet werden, haben sich in den letzten Jahren so extrem entwickelt, dass eine Federkernmatratze weit über dem Komfort eine Kaltschaummatratze liegen kann, aber auf keinen Fall liegen muss. Es führt daher kein Weg vorbei, sich das Ganze in einem Geschäft anzuschauen und sich dort auch von (hoffentlich) geschultem Personal beraten zu lassen.”

„Was halten Sie von Wasserbetten?”

„Auch hier gibt es die unterschiedlichsten Techniken, wie beispielsweise Softside- oder Gelbetten. Generell kann ich allerdings jedem nur empfehlen, zumindest eine Nacht auf einem Wasserbett geschlafen zu haben, um selber über den Schlafkomfort urteilen zu können. In Bezug auf die Hygiene hat sie gegenüber anderen Techniken einen riesigen Vorteil, denn der Überzug kann in die Waschmaschine gesteckt werden und die Vinyl-Oberfläche wird mit einem Tuch abgewischt. Schon ist die Matratze gereinigt.

Auch für Allergiker ist diese Bettenart dank nicht zu übertreffender Hygiene interessant. Der Wasserkern lässt sich jederzeit reinigen und auch für Hausstaubmilbenallergiker gibt es spezielle Auflagen (Milbenschutzauflagen, Anmerkung der Redaktion). Nicht zuletzt ist es auch die Heizmöglichkeit und in Folge die Wärme der Wassermatratze, die vor allem in der kalten Jahreszeit für einen angenehm temperierten Schlaf sorgt. So kann man sich schon am Abend auf ein warmes Bett freuen. Zu beachten sind das Gewicht, die zusätzlichen Kosten für Heizung und Reinigung des Wassers, die zumindest einmal jährlich erfolgen sollte.”

„Sprechen wir noch kurz über das verwendete Bettzeug, was empfehlen Sie?”

„In diesem Bereich ist ein Punkt die gewünschte Wärme beim Schlafen. Öffnen Sie das Fenster in der Nacht, sollten Sie sich eine voluminöse Winterdecke anschauen. Drehen Sie öfter die Heizung auf, schauen Sie nach etwas dünnerem. Bei Füllungen werden Sie vorwiegend auf Daunen- und Federfüllungen stoßen, die leider die gesamte Bandbreite des Komforts abdecken. Auch hier werden Sie nicht drum herum kommen, sich von einem Berater mehrere Bettdecken und Kissen zeigen zu lassen. Denn eine Bettdecke, die im Winter wärmt, im Sommer kühlt, sich an den Körper anschmiegt und gleichzeitig preiswert ist, werden Sie nicht finden”.

„Haben Sie noch einen persönlichen Tipp für unsere Leser?”

„Sogar gleich mehrere. Tauschen Sie bitte spätestens alle zehn Jahre Ihre Matratze und schenken Sie Ihrem Körper wieder ein angenehmes Schlafgefühl. Da es keine einheitlichen Qualitätssiegel für Matratzen gibt, fällt es schwer, sie zu vergleichen. Grob kann ich aus unserer Erfahrung sagen, dass gute Matratzen über 150 Euro kosten. Falls Sie in Erwägung ziehen sollten, eine billige Matratze vom Discounter zu kaufen, überlegen Sie es sich lieber zweimal! Und lassen Sie sich in einem Fachgeschäft beraten!”

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